GE-003Gesundheit
Ellenbogendysplasie beim Rottweiler
Ellenbogendysplasie beim Rottweiler: welche Fehlbildungen dahinterstehen, wie die Röntgenuntersuchung abläuft und was ein Grad für den einzelnen Hund bedeutet.
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Die Ellenbogendysplasie, abgekürzt ED, ist eine Sammelbezeichnung für mehrere erblich mitbedingte Wachstumsstörungen im Ellenbogengelenk. Festgestellt wird sie über eine Röntgenuntersuchung in festgelegter Lagerung, die ein zugelassener Gutachter nach dem Schlüssel der Rassehundeverbände in einen Grad einteilt. Wie bei der Hüftgelenkdysplasie beschreibt der Befund die Form des Gelenks zum Zeitpunkt der Aufnahme, nicht den Schmerz und nicht die Leistungsfähigkeit des einzelnen Hundes.
Was ist Ellenbogendysplasie?
Das Ellenbogengelenk eines Hundes ist ein Zusammenspiel aus drei Knochen: Oberarmknochen, Speiche und Elle. Passen diese drei Teile beim Wachstum nicht exakt zueinander, können verschiedene Fehlbildungen entstehen. Dazu zählen vor allem der fragmentierte Processus coronoideus, bei dem sich ein kleines Knochenstück am inneren Gelenkfortsatz der Elle löst, der isolierte Processus anconaeus, bei dem ein Knochenvorsprung am oberen Ende der Elle nicht fest mit dem übrigen Knochen verwächst, und die Inkongruenz, bei der Speiche und Elle leicht unterschiedlich lang sind und das Gelenk dadurch ungleich belasten. Der FCI-Rassestandard Nummer 147 beschreibt den Rottweiler als mittelgroßen bis großen, stämmigen Hund, der als Begleit-, Dienst- und Gebrauchshund eingesetzt wird, und schwere, schnell wachsende Rassen gehören zu den Rassen, bei denen ED in den Zuchtordnungen der Rassehundeverbände regelmäßig untersucht wird.
Wie läuft die Untersuchung ab?
Die Untersuchung folgt demselben Prinzip wie bei der Hüftgelenkdysplasie. Der Hund wird in Sedierung oder Narkose gelagert, beide Ellenbogengelenke werden in festgelegter Lagerung geröntgt. Ein zugelassener Gutachter liest die Aufnahmen und vergibt einen Grad, üblich sind die Stufen 0 bis 3, von frei bis schwer verändert, teils ergänzt um einen Grenzfall zwischen 0 und 1. Die Aufnahme zeigt Knochenstruktur und Gelenkspalt, nicht den Zustand des Knorpels im Detail und nicht die umgebende Muskulatur. Deshalb wird ein ED-Befund in der tierärztlichen Praxis immer zusammen mit dem Gangbild und der Vorgeschichte des Hundes gelesen, nie als alleinstehende Zahl.
Welche Zeichen zeigt ein betroffener Hund?
Ein Hund mit Ellenbogendysplasie zeigt häufig eine Lahmheit an einer oder beiden Vorderpfoten, die sich nach Belastung verstärkt und nach Ruhe wieder abschwächt. Manche Hunde drehen die betroffene Pfote beim Stehen leicht nach außen, um das Gelenk zu entlasten. Diese Zeichen zeigen sich oft schon im Wachstumsalter, häufig ab dem vierten bis sechsten Lebensmonat, weil die Fehlbildung während der Wachstumsphase entsteht. Ein Welpe, der nach dem Spielen humpelt, nach Ruhephasen steif aufsteht oder eine Vorderpfote schont, gehört zum Tierarzt. Diese Beobachtungen sind kein Ersatz für eine Diagnose, sie sind der Anlass für eine Untersuchung.
Was bedeutet ein Befund für den einzelnen Hund?
Ein ED-Befund beschreibt die Form des Gelenks, nicht automatisch die Zukunft des Hundes. Ein junger Hund mit einem leichten Grad kann bei rechtzeitiger tierärztlicher Begleitung ein beschwerdearmes Leben führen; ein Hund mit einem höheren Grad kann unter Umständen eine Operation oder eine dauerhafte Anpassung von Bewegung und Gewicht brauchen. Entscheidend sind, wie bei der Hüftgelenkdysplasie, die Muskulatur, die das Gelenk führt, und das Körpergewicht, das auf dem Gelenk lastet. Beide Größen lassen sich beeinflussen, die Form des Gelenks selbst nicht.
Für den Halter heißt das: Der Befund ist ein medizinisches Dokument, dessen Bedeutung der Tierarzt gemeinsam mit dem Halter einordnet. Ein Röntgenbild allein begründet keine Prognose über Schmerz oder Lebensqualität.
Welche Rolle spielt ED in der Zucht?
In der Zucht ist ED, wie die Hüftgelenkdysplasie, ein Zuchtthema und kein Einzelschicksal. Die Zuchtordnungen der Rassehundeverbände verlangen für Zuchthunde eine ED-Untersuchung zusätzlich zur HD-Untersuchung und legen fest, welche Grade zur Zucht zugelassen sind. Beide Untersuchungen betreffen unterschiedliche Gelenke und unterschiedliche Fehlbildungen, sie werden deshalb getrennt durchgeführt und getrennt bewertet. Ziel der Zuchtordnungen ist, die Häufigkeit schwerer Befunde über Generationen zu senken, nicht die Krankheit eines einzelnen Hundes zu heilen.
Lässt sich ED vorbeugen?
Eine vollständige Vorbeugung gibt es nicht, weil die Veranlagung erblich mitbedingt ist. Halter können aber das Wachstum eines jungen Hundes so begleiten, dass das Risiko für zusätzliche Gelenkbelastung sinkt: kein Übergewicht in der Wachstumsphase, keine erzwungenen Sprünge von erhöhten Flächen, kein stundenlanges Werfen und Hetzen hinter einem Ball auf hartem Untergrund, solange die Wachstumsfugen noch offen sind. Diese Maßnahmen ändern die Veranlagung nicht, sie verringern aber die zusätzliche mechanische Belastung während der empfindlichsten Phase.
Was bleibt festzuhalten?
Die Ellenbogendysplasie wird über eine standardisierte Röntgenuntersuchung festgestellt und in Grade von 0 bis 3 eingeteilt. Sie betrifft, anders als die Hüftgelenkdysplasie, das Vorderbein, und sie zeigt sich meist schon im Wachstumsalter des Welpen. Der Befund beschreibt die Form des Gelenks, nicht den Schmerz und nicht die Zukunft des einzelnen Hundes. In der Zucht wird ED, wie HD, über die Zuchtordnungen der Rassehundeverbände kontrolliert, mit dem Ziel, die Häufigkeit schwerer Befunde über Generationen zu senken. Wer bei seinem jungen Rottweiler eine Lahmheit an der Vorderpfote bemerkt, beschreibt sie dem Tierarzt, statt sie abzuwarten.

